Vorschau auf den 2. Spieltag der Ligue 1, 28.–30. August

Der Auftaktspieltag bestätigte einen der wichtigsten Trends des Sommers: 12 der 18 Ligue-1-Clubs haben ihren Trainer gewechselt, und die ersten Partien zeigten, dass die Teams sehr unterschiedlich weit in ihrer Entwicklung sind. Am 2. Spieltag treffen direkt zwei besonders interessante neue Projekte aufeinander: Davide Ancelottis Lille empfängt PSG, während Filipe Luís mit Monaco auf Marseille trifft. Lyon hat eine ganz eigene Geschichte, nachdem das Team unter der Woche in der Champions-League-Qualifikation ausgeschieden ist und die Saison nun im laufenden Betrieb neu ausrichten muss. Auch im Tabellenkeller gibt es früh Spannung: Auxerre und Angers, beide mit einer Niederlage gestartet, treffen bereits am zweiten Spieltag direkt aufeinander.
Lille – PSG
Lilles Modell hat sich seit Jahren kaum verändert: Der Club lebt konsequent innerhalb seiner finanziellen Möglichkeiten und verdient mit der Entwicklung junger Spieler. Der Verkauf von Ayyoub Bouaddi für 100 Millionen Euro an Manchester City bestätigt diese Strategie nur. Deshalb wirkt die Verpflichtung von Davide Ancelotti eher wie ein kalkuliertes Risiko als wie ein PR-Schachzug: Carlo Ancelottis Sohn hat eine Mannschaft übernommen, in der der Trainer regelmäßig die Abgänge von Leistungsträgern kompensieren muss. Sein Debüt in Angers (2:0) verlief problemlos, doch der Gegner gehörte zu den günstigeren Aufgaben – der erste echte Härtetest für das Projekt wartet also jetzt.
Bei PSG ist die Situation genau umgekehrt. Luis Enrique bringt in der Liga nur selten seine bestmögliche Elf, während die Sommerneuzugänge Ferran Torres, Maghnes Akliouche und Mika Godts gezielt für mehr Tiefe und Rotation verpflichtet wurden. Das Spiel in Rennes zeigte den Preis dieses Ansatzes: Die Startelf geriet mit 0:2 in Rückstand, ehe die Einwechselspieler die Partie retteten. Auffällig ist zudem: PSG hat keines der letzten zehn direkten Duelle mit Lille verloren, allerdings traf Lille in 11 der vergangenen 13 Begegnungen gegen die Pariser.
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Straßburg – Lens
Straßburg bleibt an das mit Chelsea verbundene Eigentümermodell gebunden: Die stärksten Spieler wechseln nach London oder zu anderen Clubs, während immer neue junge Talente nachrücken. Im Kader gibt es kaum jemanden, der älter als 24 ist. Auch die Trainerwahl ist keineswegs offensichtlich. Hugo Oliveira arbeitete jahrelang mit Torhütern und hatte vor diesem Job als Cheftrainer lediglich Famalicão betreut, das er auf Platz fünf in Portugal führte. Die Vorbereitung von Straßburg verlief offen gesagt enttäuschend, und das 0:4 gegen Marseille war eine logische Fortsetzung dieser Probleme.
Lens reist in einer anderen Verfassung an, hat aber ebenfalls Baustellen. Der Sieg über PSG im Supercup und das 5:2 gegen Auxerre ändern nichts daran, dass die Sang et Or im Sommer Trainer Pierre Sage, die zentralen Mittelfeldspieler Thomasson und Sangaré sowie Sarr, Saïd und Saint-Maximin verloren haben. Zu einem ohnehin schmalen Kader kommt nun auch noch die Champions League. Hat Dino Toppmöller genug Tiefe, um den guten Start zu konservieren und nicht schon im August an Substanz zu verlieren?
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Auxerre – Angers
Beide Teams haben einen Trainerwechsel hinter sich. Auxerre trennte sich nach einem Konflikt mit der Vereinsführung von Christophe Pélissier und entschied sich für Will Still. Dessen Karriere begann mit einer Serie von 15 ungeschlagenen Spielen bei Reims, später folgte jedoch ein erfolgloser Versuch, Southampton zurück in die Premier League zu führen.
Angers verpflichtete Stéphane Gilli, der im Verlauf der vergangenen Saison bei Paris entlassen worden war, und setzt damit ebenfalls auf einen Trainer, der seinen Ruf neu aufbauen muss. Der erste Spieltag legte unterschiedliche Schwächen offen: Auxerre brach nach einer frühen Roten Karte beim 2:5 in Lens auseinander, während Angers beim 0:2 zu Hause gegen Lille vor allem in der ersten Halbzeit kaum Widerstand leistete. In solchen Spielen entscheidet oft weniger die individuelle Qualität als die Frage, wer unter dem Druck von null Punkten zuerst den Fehler macht.
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Brest – Toulouse
Brest hat den schwierigsten Sommer der gesamten Liga erlebt. Cheftrainer Éric Roy ist nach langem Kampf gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs verstorben; sowohl er selbst als auch der Club hatten seine Erkrankung nicht öffentlich gemacht. Die Mannschaft wurde Julien Lachuer anvertraut, der viele Jahre in der Vereinsstruktur gearbeitet hatte und Assistent von Roy gewesen war. Das 2:2 in Le Mans war für einen Trainer bei seinem Debüt als Chefcoach ein akzeptables, aber kaum überzeugendes Ergebnis.
Toulouse bleibt seiner gewohnten Linie treu: erneut wurden wichtige Spieler verkauft, und mit dem Dänen Jens Berthel Askou fiel die Trainerwahl wieder ungewöhnlich aus. Askou führte den nach schottischen Maßstäben bescheidenen Motherwell in den Europapokal. Das 0:2 gegen Lyon ist aus einem Grund besonders bedenklich: Der Gegner rotierte mit Blick auf die Europapokalspiele stark, trotzdem konnte Toulouse daraus keinen Vorteil ziehen.
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Lorient – Troyes
Aus Sicht der Trainerbewegungen innerhalb der Ligue 1 ist dieses Duell besonders interessant. Lorient ließ Olivier Pantaloni nach Nizza ziehen und holte Alexandre Dujeux von Angers – der Club startete also einen Neustart, ohne außerhalb des französischen Marktes zu suchen.
Troyes funktioniert anders. Der Club gehört zum selben Eigentümernetzwerk wie Manchester City und erhält daraus regelmäßig Ressourcen, ist aber erst nach drei Jahren wieder in die höchste Spielklasse zurückgekehrt und konzentriert sich aktuell vor allem auf den Klassenerhalt. Dass beide Teams zum Auftakt 0:0 spielten, wirkt folgerichtig: Für beide hat die defensive Organisation derzeit höhere Priorität als Tempo im Angriff. Wer übernimmt zuerst die Initiative und erzielt endlich sein erstes Saisontor?
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Lyon – Le Havre
Lyon erholt sich allmählich von der Ära John Textor, und die Transferstrategie zeigt das deutlich. Afonso Moreira, vor einem Jahr für 2 Millionen Euro verpflichtet, wurde für das 15-Fache an Bayer verkauft, und genau diese 29,5 Millionen Euro flossen wieder in den Kader. Dazu gehört auch die Leihe von Loïs Openda, der bei Juventus Probleme hatte, zuvor aber in der Ligue 1 sehr stark gewesen war.
Das Problem: Am 26. August verlor Lyon zu Hause 1:2 gegen Fenerbahçe und schied aus der Champions-League-Qualifikation aus. Damit ging zugleich das wichtigste finanzielle und sportliche Saisonziel verloren. Einen positiven Aspekt gibt es dennoch: Das 2:0 in Toulouse gelang mit stark rotierter Mannschaft, was darauf hindeutet, dass Paulo Fonseca inzwischen tatsächlich mehr Kaderbreite besitzt. Le Havre ist einer von nur vier Ligue-1-Clubs, die ihren Trainer behalten haben, doch das 0:1 gegen Monaco erinnerte erneut daran, wie schwer sich Didier Digards Team mit dem Toreschießen tut. Wie stark wirkt der Europapokal-Rückschlag nur drei Tage später bei den Gastgebern nach?
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Paris – Nizza
Paris ist inzwischen kaum noch als klassischer Aufsteiger zu bezeichnen. Vom Budget her gehört der Club zu den finanzstärkeren Teams des Landes, die Familie Arnault hält die kontrollierende Beteiligung und Red Bull ist als Minderheitsaktionär beteiligt. Vor diesem Hintergrund ist die Verpflichtung von Liam Rosenior nachvollziehbar: Der Engländer hat gerade erst Erfahrung darin gesammelt, aus einem finanzstarken Mittelfeldteam eine Mannschaft mit Europapokalambitionen zu formen – genau das gelang ihm bei Straßburg. Im Sommer verpflichtete Paris Diego Coppola und Luca Koleosho fest, zahlte 8 Millionen Euro für Lassine Sinayoko und weitere 25 Millionen für den 19-jährigen Patrick Zabi. Der Club investiert also weiterhin aggressiv.
Nizza wählte nach Platz 16 den entgegengesetzten Weg. Abergel zog sich kurz nach seinem Wechsel einen Kreuzbandriss zu, als Ersatz kam der 37-jährige Axel Witsel, und die Verpflichtung von Pantaloni deutet darauf hin, dass das Team häufig auf Ballbesitz verzichten und auf Umschaltspiel setzen wird. Beide Clubs starteten mit einem 0:0 in die Saison, allerdings aus ganz unterschiedlichen Gründen. Dieses Spiel dürfte zeigen, welches dieser Ergebnisse näher am eigentlichen Plan lag.
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Rennes – Le Mans
Rennes geht in diesen Spieltag unter Bedingungen, die fast kein anderer Ligue-1-Club bieten kann: Habib Beye blieb im Amt, die Finanzen sind stabil und das Transferfenster wurde ohne spürbaren Qualitätsverlust im Kader abgeschlossen. Der einzige große Abgang war Verteidiger Jérémy Jacquet, der für 60 Millionen Euro zu Liverpool wechselte. Dafür kamen Charlie Cresswell aus Toulouse, Issa Soumaré aus Le Havre und Adrien Thomasson aus Lens. Weitere 22 Millionen wurden in Stürmer Eliézer Mayenda investiert. Das 2:2 gegen PSG, nachdem Rennes bereits 2:0 geführt hatte, zeigte sowohl die Qualität der Mannschaft als auch ihre größte Schwäche: Rennes kann sich einen Vorsprung erspielen, kann ihn gegen Topteams aber noch nicht zuverlässig verteidigen. Le Mans hat den nominell schwächsten Kader der Liga, doch Patrick Videira führte den Club in nur zwei Jahren von der dritten Liga in die Ligue 1 und baut sein Spiel eher auf Disziplin als auf Ressourcen auf.
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Monaco – Marseille
Das Topspiel am Sonntag bringt zwei Clubs zusammen, die mit Sparzwang in die Saison gegangen sind, damit aber sehr unterschiedlich umgingen. Marseille gab formal 40 Millionen Euro aus, doch dabei handelte es sich um verpflichtende Kaufoptionen nach Leihgeschäften. Gleichzeitig verließen Greenwood, Aubameyang und Rulli den Club, während Pierre-Emile Højbjerg die Kapitänsbinde verlor, nachdem er einen Wechsel zu Newcastle abgelehnt hatte. Bruno Génésio stellte sich anschließend öffentlich auf die Seite des Spielers und nicht der Vereinsführung.
Monaco schließt unter Filipe Luís seine Baustellen gezielt. 25 Millionen Euro flossen in Matthis Abline vom abgestiegenen Nantes, während Akliouche an PSG verkauft wurde. Die Verletztenliste ist weiterhin lang, und die Fragen rund um Innenverteidigung und Kreativität bleiben bestehen. Beide Clubs gewannen zum Saisonauftakt, doch unter sehr unterschiedlichen Voraussetzungen: Marseille erzielte drei seiner vier Tore gegen Straßburg in Überzahl, während Monaco in Le Havre ein einziges Tor zum Sieg reichte. Ein weiterer hilfreicher Anhaltspunkt: In den letzten beiden direkten Duellen gewann jeweils die Heimmannschaft – beide Male mit genau einem Tor Vorsprung. Den Siegtreffer im Vélodrome im Dezember erzielte ausgerechnet Greenwood, der heute nicht mehr für Marseille spielt.
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Zusammenfassung des Spieltags
Der 2. Spieltag ist vor allem deshalb interessant, weil erstmals nicht Tabellenplätze, sondern die Managemententscheidungen des Sommers direkt gegeneinander antreten. Lille und PSG testen, welches Modell schneller Ergebnisse bringt: Kostenkontrolle mit einem jungen Trainer oder teure Rotation, die PSG in Rennes beinahe Punkte gekostet hätte. Monaco und Marseille zeigen, wer mit reduziertem Budget besser zurechtkommt, während Lyon beantworten muss, ob die Mannschaft das Aus in der Champions League innerhalb von nur drei Tagen verarbeiten kann. Im Tabellenkeller beginnen Auxerre und Angers ihren Kampf gegen den Abstieg früher als geplant.
Vor der Wahl einer Wette sollten Kontext, Belastung durch den Spielplan und Kaderbreite sorgfältig bewertet werden. Unsere Ressourcen helfen dabei: https://scores24.live/de/sportbooks-ch


